Son Kol – die Heimat der Nomaden

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf

Ein Kirgise erzählt uns mit einem Lächeln folgende  Geschichte über sein Land.

Als der liebe Gott unter den Völkern die Erde verteilte, hielt der Kirgise gemütlich ein Nickerchen. Danach trat auch er vor Gott, um seinen Anteil zu erhalten. Gott schaute ihn überrascht an, verwundert über den Spätankömmling. “ Ich habe das ganze Land bereits verteilt und habe dir nichts mehr zu geben“, sagte Gott zum Kirgisen. Da wurde der Kirgise sehr betrübt, nicht wissend wo er hingehen solle. Als Gott den Kirgisen da so stehen sah, hatte er Mittleid mit ihm und sagte zu ihm: „Ich habe kein Land mehr für dich, aber wenn du magst, kannst du meine Datscha haben!“

Und so lebt der Kirgise seit den Gezeiten sorglos auf Gottes Datscha.

Und als wir diese atemberaubende Berglandschaft von Son Kol erreichen, haben wir das Gefühl, dass Gott immer noch hier seine Freizeit verbringt und mit den Wolken spielt.

Und jetzt bitten wir dich einmal tief Luft zu holen, wir befinden uns nämlich auf 3000 m Höhe. Mach es dir gemütlich und genieße die Landschaft. Viel Spaß dabei!

Jailo- einfach YOLO!

Hello Jailooo! – rufen wir vor Freude, als wir hier oben ankommen. Y…O….L….O  hallt uns das Echo zurück. Jailoo nennen die Einheimische ihre Hochweiden, die sich hier in über 3000 m Höhen als weite Ebene im Tian Shan Gebirge befinden. Hier verbringen die kirgisischen Hirten mit ihren Herden den Sommer und lassen ihre Nomadenseele zwischen den Berggipfeln baumeln. Wir sind ebenfalls hoch beseelt, als unser Fahrer seinen japanischen Cityflitzer durch das kirgisische Hochgelände unbeschadet durchmanövriert. Danach verordnet er aber sich selbst und allen Beförderten Gästen eine Zwangspause. Wir lassen uns auf den Boden fallen und schnuppern etwas dünne Bergluft. Im Schatten der Wolken lässt es sich hier gut träumen. Wir fühlen uns dem Himmel so nah.

Unser unbeschwertes Hochgefühl wird schon sehr bald von tief dunklen Wolken überzogen. An die Wetterkapriolen hier oben müssen wir uns noch etwas gewöhnen. Denn hier oben scheint die Zeit anders zu ticken und man erlebt nicht selten gleich 4 Jahreszeiten an einem Tag. Aber wir lassen uns von den Launen der Natur nicht unsere gute Stimmung betrüben. Unser Japaner spurt zuverlässig weiter, auf den Humor unseres Kirgisen ist wie immer Verlass und wir Deutsche trotzen dem Wind mit wetterfester Kleidung. Heute darf es regnen, stürmen oder schneien und einen wunderschönen Regenbogen gibt es auch noch als ein Geschenk obendrauf. Und das alles ohne einen besonderen Anlass. Einfach YOLO!

Die Turis kommen

Die Russen haben sich zurückgezogen, die Chinesen versucht man noch etwas aufzuhalten, wer kommt jetzt? Die Turis!

Kirgistan gilt unter Reisenden noch als Geheimtipp. Doch langsam spricht man über diese Schönheit Zentralasiens in der Welt herum und nach und nach bummln die Turis ins Land. Mit Neugier beäugelt man sich gegenseitig und klärt auch einige Missverständnisse auf. Zum Beispiel: warum man freiwillig von der Schweiz nach China mit dem Fahrrad unterwegs ist und das ohne böse Absicht. Oder im welchem Land Vegetarier zu Hause sind. Diese unterschiedlichen Weltanschuungen werden hier bei einer gemütlichen Tasse Tee ausdiskutiert. Wobei die vegetarische Esskultur hier nicht gerade auf Begeisterung stößt. Nach einigen Rezeptaustauschen einigen wir uns: Brot für die Welt, aber das Hammelfleisch bleibt in Kirgistan!

Klang des Schweigens

Hier oben abseits der Zivilisation, abseits der Schnelllebigkeit hat man schöne Langeweile. In dieser weilt man gerne länger, ohne dass es einem langweilig wird. Hier lässt es sich gut Nichts tun, einfach da sein und Schweigen. Wer das kann, hat viel geschafft.

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(R.M. Rilke)

Wir hoffen, dass wir dich mit dieser Fotoreportage ein wenig aus dem Alltag entführen konnten, auch wenn es nur einen Tropfen von den Eindrücken des Landes darstellt. Schau dir doch einfach unsere weiteren  Beiträge zu diesem Land an, um noch mehr von Kirgistan zu erfahren!

http://ballagan.de/abenteuer-kirgistan/

Schreibe einen Kommentar

*