NORWEGEN – Teil 1

EINE RUNDREISE DUCH SKANDINAVIEN UND BALTIKUM

Doch bevor es heißt  „Motor an und Tür zu“, wartet auf uns noch eine sehr große Herausforderung – das Packen! Denn das ist unsere erste Reise mit dem Camper und für chaotischbegabte ist es keine einfache Challenge. Wir sind sehr aufgeregt nach drei Monaten Umbauten endlich in den Startlöchern zu stehen. Ganze vier Wochen Urlaub liegen vor uns, die wir auf engsten Raum miteinander verbringen werden. Unser Optimismus bietet allen skeptischen Bemerkungen Paroli.
Insgesamt machen wir bei dieser Rundreise durch Skandinavien 6500 km. Wir passieren dabei schmale Pässe, lassen uns von Fähren schaukeln und fahren durch holprige Schotterwege, doch nichts davon kostet uns so viel Nerven und und Anstrengung wie der Weg vom Hof, der gerademal paar Meter ausmacht.
Erst als die Nabelschnur zum Haus und Alltag getrennt ist, eröffnet sich vor uns der Weg in das Abenteuer.
“Nimmt genug zum essen (und vor allem trinken) mit, denn Norwegen ist sehr teuer!”
Beängstigt, nach vier Wochen Schlemmern Haus und Hof zu verlieren, sind wir dem Rat der Norwegenexperten gefolgt, ganz ehrlich, mit dieser Vorsichtsmaßnahme haben wir es maßlos übertrieben.  Zumindest konnten wir mit dieser Überdosis an Getränken den Regenschauer, der sich hier im Norden nicht selten zeigt,  feuchtfröhlich überbrücken.

PREIKESTOLEN –

ist längst kein Geheimtipp. Der 605 Meter tiefe Stolen lockt Touristen aus allen Herrenländern. Das wir an diesem Morgen das Felsplateau ganz für uns alleine haben, ist ganz viel Glück und dem Zufall zu verdanken, dass wir um Punkt sechs Uhr Morgens schon den Wanderweg nach oben besteigen. Selbst für mich, als Morgenmuffel, ist der Aufstieg ein Genuss, auch wenn man dabei ganz schön ins schwitzen kommt. Die Aussicht oben belohnt mit einer fantastischen Aussicht über den Lysefjord und lehrt Demut. Und wenn man da oben steht und sich das Größenverhältnis vor Augen führt,  fragt man sich, wie kommt der Mensch auf die irrwitzige Idee sich etwas auf  seine Größe einzubilden?

Preikestolen bietet natürlich auch 1000 Variationen von Fotomotiven zum austoben, was wir auch fleißig 🙂 ausnutzen. Aber Vorsicht beim rumalbern! Es kann auch nach hinten gehen, wenn man einen Schritt zu viel wagt.

DAS CAMPEN

Ich habe in Skandinavien das erste Mal Bekanntschaft mit weißen Nächten gemacht. Ich fand es super, während Eduard (mein Mann) die ganze Zeit darauf wartete, bis einer draußen das Licht ausknipst. Aber zum Glück gibt es Rollladen mit Saugnäpfen.

In Skandinavien sind sehr viele Campingplätze auch für Menschen mit einem Vorurteil (wie mich) geeignet. Es ist alles nicht so eng und wohlgeordnet wie man sich sonst so ein Campingplatzt vorstellt. Es hat manchmal durchaus etwas von Wildcampen. Ich muss gestehen, dass ich bei der Wahl eines Nachtlagers immer ein sehr beängstigenden Eifer für ein perfektes Plätzchen entwickele. Mein Mann fürchtet sich immer vor dieser anstehenden Herausforderung. Dabei möchte ich doch nur ein anständiges Fernsehprogramm durch die Autoscheibe haben. Was ihr alle habt.. 😉

Ob wir ganze vier Wochen im Auto gepennt haben? Also eins möchte ich hier klarstellen, ich finde meine (Achtung!!) selbstgenähten Gardinen werten den Schlaf schon mal von pennen auf träumen auf! 🙂 Wir haben uns in Baltikum einige male ein Zimmer gemietet, weil wir in den Städten anständig hausen und aussehen wollten.

Aber sonst finden wir das Zusammenleben auf drei Quadratmeter (vielleicht auch etwas mehr) recht entspannt. Für den Stauraum sorgen drei Kisten unter dem Bett und ein kleiner Schrank seitlich, wobei das Wort klein hier total überflüssig ist, weil einfach alles, außer und Beiden hier klein ist. Das 110 cm breite Ausziehbett teilen wir uns in fair und friedlich, sind aber Beide ziemlich schlank. Ich kann auf einiges verzichten, aber nicht auf Gemütlichkeit. Es entwickelt sich immer mehr zu einem herrlich-gemütlichen Gammeln.

GLETSCHER – FJORDE – WASSERFÄLLE

Norwegen ist nah am Wasser gebaut. Aber nichts weint so schön wie die Gletscher, auch wenn es hier nicht um niedliche Kullertränen handelt. Hunderte von Wasserfällen rauschen seitlich der Fjorde von den Felsen runter. Und das einzige was einen dabei traurig stimmt, ist, dass die Augen sich auch an die Schönheit gewöhnen.

Die Landschaft in Norwegen ist sehr abwechslungsreich und man weiß nie, was einen um die nächste Kurve erwartet. So wie hier, als wir völlig ahnungslos in eine andere Wetterzone landen und von den überwältigenden Aussichten überrascht werden. Die Bäume und das Grün schaffen es bis hier oben nicht, nur die einsamen Hütten stehen seelenruhig in der Abgeschiedenheit da. Und die Landschaft trägt weiße Schneeflecken, die ein wenig an ein Dalmatinerfell erinnern.

Bild & Text: Irene Langemann

 

 

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