B A L L A G A N – märchenhafte Spurensuche

Auf der Suche nach Hintergründen und Fakten zum Wort Balaggan konnten wir zwar keine wissenschaftlich Arbeit verfassen, aber für eine kleine Märchenstunde reichen die Ergebnisse aus. Viel Spaß dabei!

Vor langer, langer Zeit in fernem Persien beheimateten viele Häuser einen Balakhana. Es bedeutete soviel wie „das äußere Zimmer“ oder „das Zimmer da oben“. Balakhana fühlte sich wohl im bunt zusammengewürfeltem Gerümpel und spielte gerne in den bunten 4 Wänden. Die Zeit verstrich und Balakhana wuchs heran und fühlte sich immer öfters eingeengt im kleinen Zimmer. Oft schaute er aus dem Fenster und fragte sich, was wohl da draußen alles zu entdecken gibt. Und eines Tages passierte es dann: Balakhana fiel die Decke auf dem Kopf! Das war der richtige Zeitpunkt, um aus dem vertrautem Heim auszureißen. Er suchte nun das Weite.

Vergeblich versuchte man Balakhana zu finden. Er schien spurlos verschwunden zu sein. Doch viele Jahre später und tausende Meilen weiter tauchte er plötzlich in 17 Jahrhundert unter den Namen Balagan wieder auf. Von kleiner Rümpelkammer wuchs er zu einem Veranstaltungsort wilder Poesie, leidenschaftlicher Musik und bunter Farben heran. Er zog von Stadt zu Stadt und die Bewohner erwarteten die buntgemischte Truppe schon mit Spannung. Richtig berühmt wurde er dann in Venedig in der La Commedia dell’Arte. Typisch für diese mobile Theatergruppe war, dass es für die Aufführungen keinen Drehbuch gab. Improvisation und Humor bestimmten den Charakter der Darstellung.

Doch auch Ruhm konnte Balagan nicht an einen Ort binden. So zog Balagan immer mehr in Richtung Osten. Er hinterließ Spuren in der Türkei und bürgerte sich im 19 Jh. in den Weiten Rußlands ein. Dort erfreute er sich großer Beliebtheit auf Jahrmärkten und breitete sich auf immer mehr kleinen Theaterbühnen aus. Doch die Zeiten änderten sich. Immer kälter wehte der Wind durchs Land und spontane Sommernachtsträumereien endeten nicht selten im sibirischem Winteralptraum. Wer überleben wollte, musste sich nun warm anziehen. Balagan blieb nichts anderes übrig als sich in Waldverstecke zurückzuziehen oder in verlassenen Gartenlauben dahin vegetieren. Das Land versank immer mehr im Chaos. Und auch wenn Balagan dafür sonst bekannt war das Chaos zu beherrschen, steckte er diesmal hilflos in einer Ostblockade.

Einige Jahre später machte sich unter multikulturellen Minderheiten, die im Land wohnen, Aufbruchsstimmung breit. Balagan, der schon immer als Multikulti galt, überlegte nicht lange und schmuggelte sich im Gepäck der Emigranten in die lang ersehnte Freiheit. Wie immer hatte Balagan keinen festen Plan und so verschlug es einen Teil von ihm nach Israel, während der andere Teil in Deutschland landete. Zu seiner großen Verwunderung stellte er fest, dass es in Israel nur so von Ballaganisten wimmelte. Balagan schien hier ein fester Bestandteil der Lebenskultur zu sein. Ob im Chaos des Straßenverkehrs, auf dem Markt oder Politik, Ballagan war und ist immer noch ein Begriff.

Ganz anders erging es Balagan in Deutschland. Hier beherrschte die Ordnung das halbe Leben. Die andere Hälfte bestand aus Regeln, Satzungen und Terminen. Spontante Improvisationen wurden kritsich beäugelt. Da Balagan sich nicht so einfach in eine Schublade stecken ließ, weigerte sich der Duden ihn zu adoptieren. Doch nach jahrelangen Intergrationsversuchen gelang es Balagan nun langsam auch in Deutschland Fuß zu fassen. So mischte er sich farbenfroh unters Volk und freute sich auf ein kunterbuntes Miteinander. Und wenn er heute noch nicht in aller Munde ist, dann nennen wir ihn bereits bei Namen: unser Ballagan!

 

Ich hoffe wir konnten mit dieser Zeitreise ein bisschen mehr Licht ins Dunkeln bringen und euch ein Gefühl und eine Vorstellung für Ballagan, den Namen unseren Blogs vermitteln.

 

Text: Elvira Stürmer

Fotografie: Irene Langemann

 

 

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