Andalusien – Kultur, Natur und eine frische Meeresbrise

GLÜCKSMOMENTE

Kennst du das auch? Es gehört beim Reisen zweifellos zu einem dieser glück- glück- glück Momente

-wenn man geschlaucht vom Anreisetag, endlich die Unterkunft findet und mit einem kühlen Drink auf den Urlaub anstoßt!

Schon kurze Zeit nach der Ankunft entdecke ich unter einem knorrigen Olivenbaum mein Lieblingsplätzchen und erkläre mich freiwillig den Bademeisterposten am Pool zu übernehmen. Der Job erweist sich chilliger als gedacht, denn Katzen gehen ungern ins Wasser und für Eduard (mein Mann) hätte ich notfalls noch eine Hand für Rettungsaktionen frei. (Die zweite ist für Getränke und Zeitschriften reserviert). Wir sind von der Anlage positiv überrascht, denn nicht selten  fühlt man sich von trügerischen Werbebildern getäuscht. In Cheryl’s Airnb Unterkunft ist alles ein bisschen mehr, als versprochen.  Es ist ein schöner Ort um dem gestressten Alltag zu entfliehen, lange Spaziergänge in einer hügeligen Landschaft zwischen den Olivenbäumen zu machen und gute Gespräche bei einem Temranillo zu führen. Kurz – es ist ein kuscheliges Nest zum runterkommen. Zu meckern haben nur was die Ziegen in der Nachbarschaft, wir für unseren Teil genießen die Abgeschiedenheit und Ruhe im Hinterland von Malaga, bevor wir uns auf den Weg in Richtung Atlantik machen.

UNVERBLÜMT

Ich möchte das Reisen nicht nur blumig reden, denn das tun bereits die Bilder. Es gibt nicht nur Turbulenzen im Himmel beim fliegen auch unten auf Erden wird man im Straßenverkehr  von der Fahrweise der Einheimischen ordentlich durchgeschüttelt.  Nicht alle Speisen im Ausland sind bekömmlich und auch das flaue Gefühl im Magen, übers Ohr gehauen zu werden, ist dem Erbrechen nah. Und manchmal sieht man vor lauter Touristen die Sehenswürdigkeit nicht, da fragt man sich leise, warum tut man sich eigentlich den ganzen Stress an, wenn man doch Zuhause……

Allen Einwänden zum Trotz – ich glaube die Seekrankheit heilt schneller als Fernweh . Denn diese nagt und zieht solange bis man nachgibt und dem Ruf folgt.

Wir haben inzwischen mit meinen Mann gelernt (ich behaupte das mal wage) beim Reisen eine gute Mischung aus Entspannung und Sightseeing entdeckt zu haben. Früher litt ich unter chronischen Angst, unterwegs etwas Ultrasehenswertes zu verpassen. Das konnte unter Umständen „urlaubsreif nach einem Urlaub“ bedeuten und das kommt spätestens beim Chef und den Kontoauszügen sowieso nicht so gut an.  Aus Erfahrung muss ich sagen, dass es sehr befreiend ist, aus der Vormundschaft  eines Reiseführers (ich meine den aus Papier) auszureißen und auf Gut Glück eigene Wege gehen. Auch Die Top 10 eines Landes lassen sich mit Geschick ignorieren, indem man souverän auf das:

„Du kannst es nächstes Mal mit deiner Schwester besichtigen,“ ausweicht. (um beim Klassiker zu bleiben).

Wenn wir mehr vom Land sehen möchten, buchen wir 2-3 unterschiedliche Unterkünfte und lassen uns überraschen, was uns am Wegesrand begegnet.

Diesmal führt uns der Weg in die Provinz Malaga. Hier herrscht weder Reizüberflutung im Straßenverkehr, noch durch Touristen. Genauer gesagt ist hier sogar ziemlich wenig los, es kommt uns alles etwas spanisch vor als wir das kleine Dorf erreichen. Die erste Spanierin sichtet uns aus dem Fenster und kommt auf uns fuchtelnd zu, erst mit Verzögerung begreifen wir , dass sie nichts böses im Schilde führt und uns ihren Parkplatz direkt vor der Haustür anbietet. Wir parken und veranstalten mit unseren rollenden Gepäck einen Heidenkrach, bis wir endlich das kleine Häuschen von Jesus erreichen.

BENALAURIA – ZU GAST BEI JESUS

Ganz oben im Dorf steht das kleine Häuschen seiner Vorfahren. Die Dorfbewohner haben sich an Jesus Gäste längst gewöhnt, nicken freundlich  und betrachten sie als eine kleine Abwechslung im Alltag. Begegnungen mit Fremden fielen hier aber nicht immer so friedlich aus. Jesus erzählt uns, dass hier früher unter arabisch- maurisch-christlichen Herrschaften blutige Kämpfe ausgetragen wurden. Juden, Muslime und Christen, die gute Nachbarschaften pflegten, wurden gegenseitig zum Krieg aufgestachelt. Es sind alte Geschichten, die sich heute immer noch täglich in den Nachrichten wiederholen und einen traurig stimmen, dass die Menschen nichts dazu gelernt haben – außer die Dorfbewohnern von Benalauria.

Denn auch heute leben hier Christen, Muslime und Juden  in guter Nachbarschaft und geben sich große Mühe, damit es so bleibt. Einmal im Jahr feiern die Bewohner ein Fest, das zu den Höhepunkten des Jahres gehört. In ausgelassener Stimmung, wechseln die Gläubigen die Perspektive und dürfen in das Gewand eines Anderen schlüpfen. In einer Straßenzeremonie wird laut gesungen, in die Pauken geschlagen und bis zum Morgengrauen getanzt. Solche Geschichten machen Hoffnung und ich glaube – FEIERN –  ist tatsächlich eine gute Lösung um den fremden Nachbarn näher zu kommen.

Was mich außer der Geschichte  noch berührt, ist die Aussicht die wir oben auf der Terrasse genießen. Der Sonnenaufgang hat hier etwas erhabenes, und man glaubt beinah in den Sonnenstrahlen die Arme Gottes zu sehen die die Welt umarmen. Ich bin normalerweise nicht ein Mensch der sehr nah am Wasser gebaut ist, aber diesmal hat mich der Anblick soooo weich gestreichelt.

Der eine sammelt Oldtimer und ein anderer Briefmarken – ich bin ein Sammler von schönen Momenten! Und da darf auch mal eine Freudenträne dabei sein.

SANDPEELING UND WEITERE SPARTIPPS

Der Atlantik lässt von Weiten von sich spüren. Eine frische Meeresbrise weht uns entgegen und wir können es kaum abwarten den Sand zwischen den Zehen zu fühlen. Der Wind hat nicht zu viel versprochen, es flattern Hunderte von Gleitschirmen in den Lüften. Eduard zieht das erste Mal in Erwägung sich von seinen langen Haaren zu trennen, während ich für Kopftuch plädiere.

Ein Beauty Tag tut gut – Ganzkörperpeeling mit feinsten Sand der Atlantik. Seidenweiche Haut lässt grüßen und das Ergebnis könnte selbst im Kosmetikstudio Zuhause nicht besser ausfallen. Wer reisen möchte, muss im Alltag sparen können und auf der Reise das versäumte nachholen. Barfuß kilometerlang den Strand entlanglaufen, strafft die Muskeln und aktiviert die Lebensgeister obendrauf, da kann das Fitnessstudio daheim auch einpacken. (Den Vertrag kündigen und schon auf einen weiteren Urlaub gespart). Apropos, ein weiterer Spar-Ansatz wäre der Friseur für die Damen. Wer da mutig genug ist kann gleich einen Urlaub im Jahr mehr verbuchen. Nur ein paar Tipps am Rande 😉

Man sollte es aber generell mit dem Sparen nicht übertreiben, denn das Leben spielt sich nun mal Zuhause und nicht im Urlaub ab.

Meine Mama sagte immer :

„Wenn der Geldbeutel keinen Urlaub hergibt, sollte man es lassen und sich Zuhause schön machen. Sonst bringt es im Urlaub nichts als Streit und das ist kein Cent wert.“

Ich bin sehr dankbar, für die Möglichkeit reisen zu dürfen und die Erkenntnis, dass nicht Luxus einer Reise Mehrwert verleiht, sondern das Authentische des Landes und liebevolle Menschen mit denen man echte Momente teilt.

VEJER DE FRONTERA

Hast du dich schon mal im Urlaub gewundert, wie man in diesen verwinkelten Häusern zwischen den engen Gassen wohnen kann? Wir auch, deswegen haben wir es bei der Unterkunft Nr. 3 direkt ausprobiert. Der Charme der Innenhöfe macht mich regelrecht verrückt und diese alten Fliesen und Gemäuer soweiso….

Unser Fazit: die alten Gemäuer sind nicht nur alt, die sind uralt und der Charme ist sehr wohltuend für die Augen aber viel weniger für empfindliche Nasen. Denn es mieft und es ist alles noch viel enger als auf den Bildern. (Die Platzangst wird sich bei einigen garantiert zu Wort melden).  Lebensgefährlich wird es aber erst, wenn man ohne Bedenken den ganzen Körper aus der Haustür schwenkt. Wenn man nicht von einem tollwütigen Spanier auf vier Räder  erfasst werden möchte, sollte man sich zuerst ganz vorsichtig mit der  Nase herauswagen und schnuppern ob die Luft rein ist.

Sonst ist es wunderbar, aber nur für 2-3 Tage!

 

RONDA

Einen Tagesausflug nach Ronda haben wir uns dann doch noch genehmigt, um den Kauf des Reiseführers zu rechtfertigen.  Es ist beindrucken zu sehen, wie die Stadt auf dem Rücken der Felsen getragen wird. Die mächtige Brücke, die die Stadt entzweit, ist schwindelerregend tief und versteckte früher hinter den Mauern Verbrecher. Entweder gab es früher nicht so viele, oder die hatten es drinnen verdammt eng.

COMARES

Unterwegs durch Andalusien haben wir malerische Orte gestreift, weißgetünchte Dörfer, die einem Bilderbuch entspringen könnten, entdeckt und durch unzählige Gassen geschlendert die einem Geschichten erzählen, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Und wir glauben unerschüttelich dran, dass es diesmal ein nächstes Mal, tatsächlich geben könnte.

Fotografie und Text : Irene Langemann

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